Dienstag, 22. September 2026

Rentenpaket: Steht die Reform vor dem Aus?

Rentenpaket: Steht die Reform vor dem Aus?
Die Rentenreform wackelt: Die SPD will das geplante Paket offenbar wieder aufschnüren. Beim Krisengipfel im Kanzleramt droht ein neuer Streit in der Koalition.

War’s das mit dem Rentenpaket?


Eigentlich schien der Fahrplan für die Rente abgesteckt, doch in der Koalition brennt wieder die Hütte. Wie aktuelle Medienberichte offenbaren, dringt die SPD darauf, das bereits geschnürte Rentenpaket noch einmal komplett aufzuschnüren. Beim Krisengipfel im Kanzleramt verhandeln die Spitzen von Union und SPD über die Zukunft der Altersvorsorge.

Warum die SPD die Reißleine zieht


Nach den jüngsten Dämpfern bei den Landtagswahlen wächst der Druck innerhalb der Sozialdemokratie spürbar. Ein Papier aus dem SPD-Parteivorstand macht klar: Ein bloßes „Weiter so“ könne es nicht geben. Die Partei hinterfragt den bisherigen Kurs und will Anpassungen durchsetzen, um sozialpolitische Akzente deutlicher herauszustreichen.
Was das für angehende Rentner bedeutet
Für alle, die kurz vor dem Ruhestand stehen oder ihre Altersvorsorge planen, bedeutet das neue Unsicherheit:
- Verzögerungen bei der Planung: Sollte das Paket neu verhandelt werden, verschieben sich Verlässlichkeit und Detailregelungen erneut nach hinten.
- Ungewisse Kompromisse: Welche Stellschrauben – von Haltelinien bis hin zu Anreizen für längeres Arbeiten – neu justiert werden, ist völlig offen.
- Pflege und Gesundheit im Paket: Da auch Reformen im Gesundheits- und Pflegesektor auf dem Prüfstand stehen, geht es nicht nur um die Auszahlungshöhe der Rente, sondern um das gesamte soziale Sicherheitsnetz im Alter.
Deutschland scheint reformunfähig
Das Tauziehen im Kanzleramt zeigt einmal mehr: Auf politische Versprechungen bei der Rente ist kurzfristig wenig Verlass. Wer vor dem Ruhestand steht, tut gut daran, sich nicht allein auf die gesetzliche Regulierung zu stützen, sondern die eigene private Finanz- und Ruhestandsplanung flexibel zu halten. Es bleibt abzuwarten, ob die Koalition einen belastbaren Kompromiss findet – oder ob das Rentenpaket vorerst auf Eis gelegt wird.
Probleme werden verschoben
Das eigentliche Problem bleibt ungelöst: Deutschlands Rentensystem braucht eine tragfähige Reform, nicht den nächsten Kompromiss auf Zeit. Ob der Gipfel im Kanzleramt den Knoten löst oder das Rentenpaket endgültig in die Sackgasse fährt, dürfte sich schon bald zeigen. Bis dahin gilt: Bei der Rente ist wieder alles offen.
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Versprechen
Am 14. Mai 2025 versprach Vizekanzler Lars Klingbeil eine Rentenreform "zügig" anzugehen. Die Zeit läuft.
Zeit seit Abgabe des Versprechens
My count-up https://vorunruhestand.de/2026/09/rentenpaket-steht-die-reform-vor-dem-aus/

Bei Sparkassen gibt's nur Mager-Zinsen

Bei Sparkassen gibt's nur Mager-Zinsen
Bequemlichkeit hat ihren Preis: Während Sparkassen beim Tagesgeld oft nur Mini-Zinsen zahlen, locken anderswo deutlich attraktivere Renditen.
Wer sein Geld bei der Sparkasse parkt, schläft vielleicht ruhiger, verdient aber kaum noch etwas daran. Die aktuellen Tagesgeldzinsen im September 2026 zeigen dem Portal Tagesgeldvergleich ein ernüchterndes Bild: Nur eine einzige Sparkasse in Deutschland knackt überhaupt die Marke von 2,0 Prozent, die Sparkasse Harburg-Buxtehude mit 2,25 Prozent.

Zinsen zwischen 0,25 und 1,65 Prozent


Im Rest der Republik sieht es deutlich magerer aus. Die besten Angebote der Sparkassen liegen je nach Bundesland lediglich zwischen 0,25 und 1,65 Prozent. Noch drastischer wird es beim Blick auf die Durchschnittszinsen: Hier bewegen sich die Werte gerade einmal zwischen 0,13 und 0,66 Prozent.
Auswertung von Tagesgeldvergleich:
- Von 322 Sparkassen, die ihren Kunden ein Tagesgeldkonto anbieten, haben 20 immer noch 0,00 Prozent Zinsen pro Jahr und drei Institute bieten lediglich 0,001 Prozent Zinsen pro Jahr an.
- Beim Festgeld hingegen sind die Sparkassen mit Zinsen von bis zu 2,75 Prozent für ein Jahr bis hin zu 3,50 Prozent p.a. für zehn Jahre wettbewerbsfähig.
Besonders geizig sind die Sparkassen in Hessen, Bremen und im Saarland. Am großzügigsten sind die Sparkassen in Hamburg.
Schleichender Kaufkraftverlust
Für Sparer bedeutet das einen schleichenden Kaufkraftverlust. Denn selbst wenn die Inflation inzwischen niedriger ausfällt als in den Krisenjahren, bleibt von diesen Mini-Zinsen kaum etwas übrig. Sicherheit ist gut, keine Frage. Aber wer sein Geld langfristig auf unverzinsten oder kaum verzinsten Konten liegen lässt, verschenkt Rendite.

Treue lohnt sich nicht


Die Botschaft ist klar: Treue zur Hausbank zahlt sich längst nicht immer aus. Wer mehr aus seinem Ersparten machen will, sollte Tagesgeldangebote regelmäßig vergleichen. Denn zwischen den Sparkassen und den besten Angeboten am Markt liegen oft Welten. Sicherheit gibt es fast überall, vernünftige Zinsen leider nicht.
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Freitag, 18. September 2026

Deutschland macht Rente – die Finanzbranche Kasse?

Deutschland macht Rente – die Finanzbranche Kasse?
DVAG und Generali rühren mächtig die Werbetrommel für das Altersvorsorgedepot ab 2027. Doch Verbraucher sollten sich nicht voreilig ködern lassen.
Griffige Slogans, emotionale Bilder und das große Versprechen, die drohende Rentenlücke endlich zu schließen: Unter dem Titel „Deutschland macht Rente“ haben die Deutsche Vermögensberatung (DVAG) und die Generali eine große Informations- und Marketingoffensive gestartet. Timing ist bekanntlich alles – denn mit der Reform der privaten Altersvorsorge und dem Aus der Riester-Rente ab 2027 steht der Markt vor einer historischen Neuordnung. Grund genug für die etablierten Finanzriesen, sich rechtzeitig die saftigsten Stücke des neuen Förderkuchens zu sichern.

Der Kampf um die Sparmillionen


Grundsätzlich ist die Botschaft richtig: Die Rentenlücke ist real; das zeigt nicht zuletzt Stiftung Warentest immer wieder eindringlich. Wer im Alter seinen Lebensstandard halten will, muss privat vorsorgen. Zusätzliche Vorsorge wird für viele Menschen unverzichtbar sein. Dass diese Erkenntnis endlich breiter diskutiert wird, ist zu begrüßen. Und das neue Altersvorsorgedepot bietet dafür grundsätzlich gute Chancen: Erstmals soll staatlich gefördertes Wertpapiersparen ohne starre Beitragsgarantien möglich sein, was renditestarken Aktienfonds und günstigen ETFs Tür und Tor öffnet.
Allerdings sollten Anleger genau hinschauen, wer ihnen diese Botschaft vermittelt. Denn hinter der Kampagne steht nicht nur Aufklärung, sondern auch ein handfestes Geschäftsinteresse. Hier liegt allerdings der Knackpunkt. Während Neo-Broker und Direktbanken bereits mit schlanken Strukturen und Minimalgebühren in den Startlöchern stehen, schickt die DVAG ihre Allfinanz-Berater ins Feld. Als „kostenlos“ wird die Beratung auf der neuen Kampagnenplattform angepriesen. Dass die Provisionen für den Vertrieb am Ende aber wie gewohnt in den laufenden Produktkosten versteckt sind und über Jahrzehnte die Rendite schmälern, bleibt im Kleingedruckten.
Erst vergleichen, dann unterschreiben
Schon beim Tagesgeld haben wir gesehen, wie hart um das Ersparte der Bürger gerungen wird. Beim Altersvorsorgedepot geht es nun um noch viel mehr: um langfristige Vermögenswerte für den Ruhestand.
Die Werbeoffensive suggeriert Handlungsbedarf, doch Panik ist der schlechteste Ratgeber. Die neuen Produkte kommen erst 2027 auf den Markt, und die volle staatliche Förderung für das erste Jahr sichert man sich auch dann noch, wenn man erst gegen Ende 2027 einsteigt. Dass nun auch beim Thema Altersvorsorge ein regelrechter Verdrängungswettbewerb beginnt, überrascht wenig. Die Versicherungen und ihre Konkurrenten wissen: Mit dem Altersvorsorgedepot entsteht ein Milliardenmarkt. Wer früh Kundenbeziehungen aufbaut, hat die beste Chance – und kann den Rahm abschöpfen.
Fazit:
Lassen Sie sich von hübschen Werbekampagnen nicht blenden. Wenn „Deutschland Rente macht“, sollten Altersvorsorger genau hinsehen, wer am Ende wirklich profitiert – der Sparer mit Rendite oder der Vertrieb mit dicken Abschlussprovisionen. Bevor die Verträge unterzeichnet werden, gilt: Erst die Kostenstruktur der neuen Produkte unabhängig prüfen und die Angebote der Discounter abwarten. Also, genau auf die Kosten schauen und sich nicht von Versprechungen blenden lassen!
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Samstag, 22. August 2026

4,25 Prozent? Der Tagesgeld-Bluff

4,25 Prozent? Der Tagesgeld-Bluff
Neubanken locken wieder mit Spitzenzinsen. Doch beim genauen Hinsehen zeigen sich Zinsstaffeln und Fristen. Wo sich das Umschichten lohnt.

Der Zins-Krimi geht weiter


In Zeiten, in denen viele Filialbanken beim Tagesgeld kaum die Inflation ausgleichen, ist auf dem Markt der Neobanken und FinTechs ein neuer Preiskampf entbrannt. Mit aggressiven Lockangeboten buhlen Anbieter wie Revolut, Chase oder etabliertere Vertreter wie Sparda-Bank und Ikano um die Ersparnisse der Deutschen. Doch was taugen die Angebote für Anleger, die ihr Geld im Vorruhestand sicher und ertragreich parken wollen?

Die aktuellen Zins-Highlights auf einen Blick


- Revolut als Spitzenreiter: Die britische Neobank prescht mit 4,25 % Zinsen p.a. voran – allerdings ist es ein Angebot mit vielen Haken.
- Chase zieht nach: Die US-Branchengröße bietet starke 4,00 % Zinsen p.a. ebenfalls für vier Monate, punktet jedoch bei höheren Beträgen.
- Solide Alternativen: Häuser wie die Sparda-Bank oder die Ikano Bank bieten verlässliche Aktionen ohne verschachtelte App-Hürden.
Die Top-Angebote
Bank / Anbieter
Zinssatz p. a.
Aktionsdauer
Maximalbetrag
Einlagensicherung
Revolut
4,25 %
4 Monate
bis 25.000 €
Deutschland (über Deutsche Bank)
Chase
4,00 %
4 Monate
bis 1.000.000 €
Deutschland
Ikano Bank
3,91 %
3 Monate
bis 100.000 €
Schweden (EWR)
Advanzia Bank
3,76 %
3 Monate
ab 3.000 €
Luxemburg (AAA)
ING
3,75 %
4 Monate
bis 250.000 €
Deutschland (AAA)

Die Haken bei Revolut


-
Der Top-Zins gilt nur bis 25.000 Euro
Die seit dem 18. August 2026 beworbenen 4,25 Prozent werden ausschließlich für Guthaben bis 25.000 Euro gezahlt. Wer höhere Beträge anlegt, erhält für den darüber hinausgehenden Teil deutlich niedrigere Zinsen. Für viele Vorruheständler mit größeren Rücklagen verliert das Angebot damit schnell an Attraktivität.
-
Der Spitzenzins ist zeitlich begrenzt
Die 4,25 Prozent gelten nur für vier Monate. Danach fällt die Verzinsung je nach Kontomodell deutlich niedriger aus. Wer dauerhaft hohe Erträge erzielen will, muss den Markt weiter beobachten und gegebenenfalls erneut wechseln. 
-
Ohne Girokonto geht nichts
Um das Angebot nutzen zu können, müssen Neukunden zusätzlich ein Revolut-Girokonto eröffnen. Das Tagesgeld dient damit auch als Instrument zur Kundengewinnung und ist kein eigenständiges Sparprodukt. 
-
Kartenzahlungen sind Pflicht
Wer den Aktionszins über die gesamte Laufzeit behalten möchte, muss regelmäßig aktiv werden. Nach einer Schonfrist sind mindestens drei Kartenzahlungen pro Monat erforderlich. Wer diese Bedingung übersieht, rutscht vorzeitig in die niedrigere Standardverzinsung.

Checklist für Zins-Hopper


Für Sparer, die im Ruhestand ihr Erspartes als Liquiditätsreserve nutzen wollen, sind solche Angebote auf den ersten Blick verlockend. Um keine bösen Überraschungen zu erleben, sollten Sie folgende Punkte beachten:
Aktionszins vs. Basiszins: Nach Ablauf der vier Monate fällt der Zins bei Revolut spürbar ab – je nach Abomodell auf 1,25 bis 2,50 %. Wer nicht regelmäßig Konten wechselt ("Zins-Hopping"), landet schnell wieder im Mittelfeld.
Kontonutzung als Bedingung: Bei Angeboten wie dem von Revolut ist das Tagesgeld oft an ein kostenloses Girokonto gekoppelt. Zudem muss das Geld aktiv im App-Bereich „Sparen“ angelegt werden – auf dem Hauptkonto bringt es keine Rendite.
Produktform beachten: Während Revolut mittlerweile echtes Tagesgeld mit deutscher Einlagensicherung bis 100.000 Euro anbietet, setzten manche FinTechs in der Vergangenheit auf Geldmarktfonds. Prüfen Sie vorab, ob es sich um eine klassische Bankeinlage mit gesetzlicher Einlagensicherung
Lohnt sich das Umschichten?
Wer kurzfristig einen Notgroschen oder Restbeträge zwischenparken möchte (bis 25.000 Euro), nimmt bei Revolut in vier Monaten ordentliche Zinserträge mit – dank täglicher Zinsgutschrift profitiert man sogar leicht vom Zinseszins. Wer größere Beträge sicher parken möchte, wählt eher Anbieter wie Chase (bis 1 Million Euro) oder setzt auf Festgeld-Staffeln bei etablierten deutschen Banken, um sich das Zinsniveau langfristig zu sichern. https://vorunruhestand.de/2026/08/425-prozent-der-tagesgeld-bluff/

Samstag, 8. August 2026

Die Aktivrente ist ein Rohrkrepierer

Die Aktivrente ist ein Rohrkrepierer
Die Aktivrente hat sich zum Rohrkrepierer entwickelt. Von den 22,5 Millionen Rentnern haben nur 9.000 das Angebot angenommen, also gerade einmal 0,04 Prozent.
Die Zahlen sagen alles: Von 22,5 Millionen Rentnerinnen und Rentnern nutzen gerade einmal 9.000 – in Worten: neuntausend – seit Einführung der Aktivrente Anfang 2026 dieses Angebot, das Daten des Steuer-IT-Dienstleisters Datev belegen – und Datev muss es wissen, denn sie wickelt doch die Lohnabrechnungen für viele Unternehmen ab.

Nur wenige nutzen die Aktivrente


Da hat sich Bundesfinanzminister Lars Klingbeil gründlich verschätzt: Er hatte erwartet, dass etwa 25 Prozent der 672.000 betroffenen Personen die Aktivrente nützen würden, um sozialversicherungspflichtig weiterzuarbeiten. Das sind rechnerisch 168.000 Rentner.
Es gibt einfach zu viele Haken bei der Sache: Die Aktivrente gilt nur für jemanden, der die gesetzliche Regelaltersgrenze erreicht hat (siehe § 35 Satz 2 oder § 235 SGB VI). Das heißt, der Geburtsjahrgang 1959 kann mit 66 Jahren und 2 Monaten sowie mit 66 Jahren und 4 Monaten, der Geburtsjahrgang 1960 kann mit 66 Jahren und 4 Monaten 2026 die Aktivrente in Anspruch nehmen. Das Zielalter von 67 gilt dann für den Geburtsjahrgang 1964. Maßgeblich für den Start des Steuerfreibetrags (bis zu 2.000 Euro monatlich) ist also exakt der Monat, in dem die für den Jahrgang gültige individuelle Regelaltersgrenze überschritten wird.

Was ist die Aktivrente?


Seit dem 1. Januar 2026 gibt es in Deutschland die sogenannte Aktivrente. Sie soll Menschen motivieren, auch nach Erreichen der Regelaltersgrenze freiwillig weiterzuarbeiten. Wer die Regelaltersgrenze erreicht hat und weiterhin sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist, kann bis zu 💶  2.000 Euro Arbeitslohn pro Monat steuerfrei verdienen. Die gesetzliche Rente wird zusätzlich weiterhin gezahlt.

🪝Die vielen Haken der Aktivrente


- 🤔 Die Aktivrente gilt nur für Personen, die das gesetzliche Rentenalter erreicht haben und aus eigenem Antrieb weiterarbeiten wollen.
- 🚶‍➡️Wer bereits vor dem regulären Rentenalter aufgehört hat zu arbeiten und zusätzlich zur Rente erwerbstätig ist, erhält keine Steuererleichterung.
- 💶 Steuerfrei ist nicht abgabenfrei.
- 😕 Die Aktivrente gilt nur für Arbeitnehmer, nicht für Selbstständige und Landwirte.  

🚨Achtung: Dreifachverbeitragung


Steuerfrei ist nicht abgabenfrei
Hinsichtlich der Sozialversicherungsbeiträge ist die Situation bei der Aktivrente etwas differenzierter:
- Rentenversicherung: Rentner, die die Regelaltersgrenze erreicht haben und weiterarbeiten, sind von der Rentenversicherungspflicht befreit. Sie können jedoch freiwillig Beiträge zur Rentenversicherung zahlen, um ihre spätere Rente weiter zu erhöhen. Der Arbeitgeber muss Rentenversicherungsbeiträge abführen.
- Arbeitslosenversicherung: Für beschäftigte Altersrentner fallen keine Beiträge zur Arbeitslosenversicherung an.
- Kranken- und Pflegeversicherung: Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung müssen weiterhin gezahlt werden.
Sozialabgaben für Aktivrente
⚠️ Die Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung bleiben bestehen.
https://www.youtube.com/watch?v=VUz4xts5YEc
Was bedeutet die Aktivrente in Euro und Cent?
Angenommen, ein Rentner ist bei der Siemens Betriebskrankenkasse (SBK) versichert und hat keine Kinder. Dann sieht die Rechnung so aus:
🏥 Krankenversicherung (SBK 2026)
- Allgemeiner Beitragssatz: 14,6 % (hälftig: 7,3 %)
- Zusatzbeitrag SBK seit August 2025: 3,8 % (hälftig: 1,9 %)
- Gesamt-Arbeitnehmeranteil: 7,3 % + 1,9 % = 9,2 %
- Beitrag bei 2.000 € brutto: 2.000×0,092=184 Euro
🧓 Pflegeversicherung (2026)
- Basisbeitrag: 3,6 % (hälftig: 1,8 %)
- Zuschlag für Kinderlose ab 23 Jahren: +0,6 % (vom Arbeitnehmer allein getragen)
- Gesamt-Arbeitnehmeranteil (kinderlos): 1,8 % + 0,6 % = 2,4 %
- Beitrag bei 2.000 € brutto: 2.000×0,024=48 €
💡 Gesamtsumme für Arbeitnehmer (Kranken- + Pflegeversicherung)
- 184 € (KV) + 48 € (PV) = 232 € monatlich
💶 Nettolohn
Das heißt, ein kinderloser Aktivrentner muss zusätzlich 232 Euro monatlich an seine Krankenkasse zahlen – und das ist nur der Arbeitnehmeranteil, denn der Arbeitgeber zahlt ja auch Krankenkassenbeiträge. Das heißt, Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen annähernd 500 Euro Sozialbeiträge. Wie viel bleibt dem Aktivrentner netto übrig? Was hat er davon?
- 2.000 € - 232 € = 1.768 € netto monatlich
Berechnung der Steuerersparnis
Beispielrechnung:
- Ohne Aktivrente (nach bisheriger Regelung): Ein Rentner mit einem zusätzlichen Bruttoeinkommen von 2.000 € pro Monat müsste dieses Einkommen versteuern. Die genaue Höhe der Lohnsteuer hängt von verschiedenen Faktoren ab, wie der Steuerklasse, dem Rentenfreibetrag und dem persönlichen Steuersatz. Als grobe Orientierung lagen die Steuerabzüge für ein solches Einkommen bisher bei etwa 300 € bis 600 € pro Monat.
- Mit Aktivrente 2026: Da der Hinzuverdienst von 2.000 € pro Monat durch die neue Regelung vollständig steuerfrei gestellt wird, fallen für dieses Einkommen keine Lohnsteuern an.
Der Rentner würde mit der Aktivrente 2026 die gesamte Lohnsteuer auf sein Nebeneinkommen von 2.000 € brutto sparen. Die Ersparnis beträgt damit monatlich die Summe, die er bisher an Lohnsteuer auf dieses Einkommen zahlen müsste, also zwischen 300 € und 600 € pro Monat.
‼️ Wichtiger Hinweis: Die Steuerfreiheit gilt nur für den Hinzuverdienst, nicht für die Rente selbst. Die Rente muss weiterhin nach den regulären Regeln der Rentenbesteuerung versteuert werden. Den Progressionsvorbehalt hat Finanzminister Lars Klingbeil fallen lassen, sodass die 2000 Euro tatsächlich steuerfrei bleiben und sich auch nicht auf andere Einkünfte steuerlich auswirken.

Die „Aktivrente“ ist eigentlich keine neue Rentenart, sondern ein Steuerfreibetrag. Wer über die reguläre Altersgrenze hinaus arbeitet, soll bis zu 2.000 € pro Monat steuerfrei dazuverdienen dürfen.


Hier finden Sie interaktive Tools:
de: Bietet einen speziellen „Aktivrenten-Rechner“ an. Dort können Sie Ihr geplantes Bruttoeinkommen eingeben und sehen direkt, wie viel Netto nach Abzug der Sozialabgaben (ca. 10,5 % für Kranken- und Pflegeversicherung) übrig bleibt.
de: Hier gibt es ebenfalls ein Tool, das den Effekt der Steuerfreiheit illustriert und das „alte“ Netto mit dem neuen „Aktivrente-Netto“ vergleicht.
Ihre-Vorsorge.de: Zwar kein klassischer Schieberegler-Rechner, aber das Portal bietet sehr detaillierte Tabellen und Rechenbeispiele, die genau zeigen, wie sich der Freibetrag je nach Verdiensthöhe auswirkt.
Was Sie beim Berechnen beachten sollten:

Um ein realistisches Ergebnis zu erhalten, müssen Sie im Hinterkopf behalten, dass nur die Lohnsteuer entfällt. Andere Abgaben bleiben bestehen:


Jobben als Rentner – was arbeiten im Ruhestand bringt
https://www.youtube.com/watch?v=cjAHm3OmdT0&t=85s

Dreifachverbeitragung


Auch wenn die Einkünfte bis zu 2.000 Euro monatlich steuerfrei sein sollen, müssen sie in der Steuererklärung angegeben werden. Sie werden jedoch bei der 🧮 Berechnung der Steuerlast nicht berücksichtigt.
Gutes Geschäft für die Krankenkasse
Wer nach Erreichen der Regelaltersgrenze weiterarbeitet, muss weiterhin Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge zahlen. Das heißt, Rentnerinnen oder ein Rentner, die gesetzliche Rente erhalten, eine Betriebsrente beziehen und weiterarbeiten, zahlen dreifach Sozialversicherungsbeiträge:
- für die gesetzliche Rente,
- für die Betriebsrente und
- die Aktivrente.
Insgesamt dürften die zu 💶 zahlenden Sozialabgaben mit der Aktivrente weit mehr sein als in ihrer aktiven Berufsphase, denn für die Betriebsrente zahlen sie die vollen Beiträge, sprich, den Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil für Kranken- und Pflegeversicherung, alles in allem mehr als 20 Prozent – für Staat und Sozialkassen ist die Aktivrente ein gutes Geschäft. Die volle Abgabenpflicht in der Krankenversicherung wird nur durch den GKV-Betriebsrentenfreibetrag etwas gemildert.
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Bild: KI-generiert mit Nightcafé https://vorunruhestand.de/2026/08/die-aktivrente-ist-ein-rohrkrepierer/

Freitag, 7. August 2026

Oma und Opa statt Elternführerschein

Oma und Opa statt Elternführerschein
Statt über einen Elternführerschein zu diskutieren, sollten wir das tun, was wirkt: vorlesen. Eltern, Großeltern und Bücher sind das beste Leseförderprogramm.
Die Aufregung war groß: Oetinger-Verlegerin Julia Bielenberg fordert in einem Interview mit dem MDR einen „Elternführerschein“. Schon das Wort genügt, um Reflexe auszulösen. Mehr Kontrolle? Mehr Vorschriften? Mehr Bevormundung?

Kinder lernen das Lesen nicht


Schaut man genauer hin, bleibt von der Empörung nicht viel übrig. Bielenberg hat keinen staatlichen Führerschein mit Prüfung und Lizenz für Eltern gefordert. Sie wollte vielmehr auf ein echtes Problem aufmerksam machen: Immer mehr Kinder haben Schwierigkeiten, Texte zu verstehen und sinnvoll zu lesen. Den Begriff „Elternführerschein“ bezeichnete sie selbst als bewusst provokant gewählt.
Und damit hat sie einen Punkt.

Familie ist erster Bildungsort


Lesen lernen beginnt nicht erst in der Schule. Die Familie ist der erste Bildungsort. Wer Kindern vorliest, mit ihnen spricht, Geschichten erzählt und Fragen beantwortet, legt den Grundstein für Sprachkompetenz und Bildungserfolg. Genau darauf wollte die Verlegerin hinaus.
Doch die Debatte greift zu kurz, wenn sie nur auf die Eltern schaut.

Wo bleiben eigentlich die Großeltern?


Viele Menschen im Vorruhestand oder Ruhestand verfügen über etwas, das jungen Familien heute oft fehlt: Zeit. Zeit zum Vorlesen. Zeit für Bibliotheksbesuche. Zeit für gemeinsame Entdeckungen zwischen zwei Buchdeckeln.
Oma und Opa können zu Lesementoren werden. Sie müssen keine Pädagogen sein. Es reicht oft schon, regelmäßig eine Geschichte vorzulesen, über Figuren zu sprechen oder den Enkeln zu zeigen, dass Lesen Spaß macht. Kinder orientieren sich an Vorbildern. Wer Erwachsene mit einem Buch in der Hand erlebt, begreift Lesen nicht als lästige Pflicht, sondern als selbstverständlichen Teil des Lebens.

Wir brauchen keinen Elternführerschein


Vielleicht brauchen wir deshalb gar keinen Elternführerschein. Vielleicht brauchen wir vielmehr eine Vorlese-Offensive der Generation 60plus.
Die geburtenstarken Jahrgänge gehen nach und nach in den Ruhestand. Viele suchen nach sinnvollen Aufgaben, möchten sich engagieren und etwas weitergeben. Was wäre wertvoller, als Kindern die Freude am Lesen zu vermitteln?
Ein Buch kostet wenig und bringt viel
Ein Buch kostet wenig. Eine halbe Stunde Vorlesen kostet fast nichts. Der Ertrag dagegen ist enorm.
Wenn jedes vierte Kind Probleme mit dem Lesen hat, dann ist das nicht nur ein Thema für Schulen und Eltern. Es ist eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft. Und dazu gehören ausdrücklich auch Großeltern.
Der beste "Führerschein": ein Bibliotheksausweis
Der beste „Führerschein“ für Eltern, Großeltern und alle anderen? Ein regelmäßig genutzter Bibliotheksausweis.
Bild: photodune
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Krankenkassen verzocken Millionen

Krankenkassen verzocken Millionen
220 Millionen Euro versenkt: Gesetzliche Kassen investierten Beiträge in riskante Immobilienfonds. Jetzt drohen Totalverluste und juristische Folgen.
Was als renditestarke Geldanlage verkauft wurde, entwickelt sich zu einem der größten Finanzskandale im deutschen Gesundheitssystem. Recherchen von NDR, WDR, Süddeutscher Zeitung und Handelsblatt zeigen: Mindestens 220 Millionen Euro sind durch riskante Kapitalanlagen von Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen verloren gegangen.

Wie viele Millionen wurden verzockt?


Für Millionen Versicherte ist es ein Schlag ins Gesicht: Mindestens 220 Millionen Euro Beitragsgeld sind weg, möglicherweise sogar bis zu 500 Millionen. Nicht durch höhere Kosten, nicht durch medizinische Notfälle – sondern weil Krankenkassen sich mit einem hochriskanten Immobilienfonds verspekuliert haben. Während wir jeden Monat brav einzahlen, haben manche Kassen unser Geld in riskante Finanzprodukte gesteckt.

Um wie viele Krankenkassen geht es?


Was bedeutet das für einige? Dass die Kassen, die ständig von „Sparzwang“ reden, selbst Millionen verbrannt haben. Zusatzbeiträge steigen, Leistungen werden gekürzt, Wartezeiten verlängern sich. Und gleichzeitig erfahren wir: 28 Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen haben in einen Fonds investiert, der mit hochverzinsten Nachrangdarlehen Immobilienentwickler finanzierte.
Geld für Immobilienprojekte
Insgesamt flossen mehr als 500 Millionen Euro aus Beitragsgeldern gesetzlich Versicherter und aus Mitgliedsbeiträgen von Ärzten in komplexe Finanzprodukte mit Immobilienbezug. Die Geldströme führten über luxemburgische Verbriefungsgesellschaften und Fondsstrukturen zu Immobilienfinanzierungen, die auf hohe Renditen durch nachrangige Kredite an Projektentwickler setzten.
Mit dem Ende der Niedrigzinsphase kam der Absturz: Steigende Zinsen, explodierende Baukosten und die Immobilienkrise brachten zahlreiche Projekte ins Wanken. Die Folge: Zahlungsausfälle, Fondsinsolvenzen und drohende Totalverluste.

Wer ist alles betroffen?


Betroffen sind mindestens 28 Institutionen. Namentlich bekannt sind bislang unter anderem KKH, Pronova BKK, Siemens-BKK, BKK Gildemeister Seidensticker, Novitas BKK, MKK, IKK Südwest, Bahn-BKK, BKK Pfalz, Viactiv sowie die AOK Bremen/Bremerhaven. Die tatsächliche Zahl der betroffenen Krankenkassen dürfte jedoch deutlich höher liegen. Bei anderen wird gemutmaßt, dass sie ebenfalls betroffen sein könnten, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, darunter Novitas BKK, MKK - Meine Krankenkasse (ehemals BKK VBU), IKK Südwest, Bahn-BKK, BKK Pfalz und Viactiv Krankenkasse

Es laufen die ersten Klagen


Mehrere Einrichtungen haben bereits Klagen eingereicht oder bereiten diese vor. Sie werfen beteiligten Finanzunternehmen vor, die Risiken der Anlagen bewusst heruntergespielt zu haben. Die Gegenseite weist das zurück und verweist darauf, dass die Möglichkeit eines Totalverlusts ausdrücklich in den Verkaufsunterlagen genannt worden sei.

Wie konnte das geschehen?


Besonders brisant ist die politische Dimension: Nach § 80 SGB IV dürfen Gelder der Sozialversicherung nur so angelegt werden, dass Verluste weitestgehend ausgeschlossen sind und eine hohe Sicherheit bei ausreichender Liquidität gewährleistet ist („risikoarme Anlage“). Kritiker fragen deshalb, wie hochriskante Immobilienfinanzierungen überhaupt mit dem gesetzlichen Auftrag von Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen vereinbar sein konnten.
Auswirkung auf den Zusatzbeitrag
Der Skandal wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wer trägt die Verantwortung, wenn mit den Beiträgen von Millionen Versicherten spekuliert wird und am Ende ein dreistelliger Millionenbetrag verloren geht? Die genannten Kassen liegen allesamt über dem Durchschnitt von 2,9 % – einige deutlich. Gerade die Kombination aus steigenden Gesundheitsausgaben und den jüngsten Fehlinvestments mancher Kassen macht diese Zusatzbeiträge politisch brisant.
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