Freitag, 7. August 2026

Oma und Opa statt Elternführerschein

Oma und Opa statt Elternführerschein
Statt über einen Elternführerschein zu diskutieren, sollten wir das tun, was wirkt: vorlesen. Eltern, Großeltern und Bücher sind das beste Leseförderprogramm.
Die Aufregung war groß: Oetinger-Verlegerin Julia Bielenberg fordert in einem Interview mit dem MDR einen „Elternführerschein“. Schon das Wort genügt, um Reflexe auszulösen. Mehr Kontrolle? Mehr Vorschriften? Mehr Bevormundung?

Kinder lernen das Lesen nicht


Schaut man genauer hin, bleibt von der Empörung nicht viel übrig. Bielenberg hat keinen staatlichen Führerschein mit Prüfung und Lizenz für Eltern gefordert. Sie wollte vielmehr auf ein echtes Problem aufmerksam machen: Immer mehr Kinder haben Schwierigkeiten, Texte zu verstehen und sinnvoll zu lesen. Den Begriff „Elternführerschein“ bezeichnete sie selbst als bewusst provokant gewählt.
Und damit hat sie einen Punkt.

Familie ist erster Bildungsort


Lesen lernen beginnt nicht erst in der Schule. Die Familie ist der erste Bildungsort. Wer Kindern vorliest, mit ihnen spricht, Geschichten erzählt und Fragen beantwortet, legt den Grundstein für Sprachkompetenz und Bildungserfolg. Genau darauf wollte die Verlegerin hinaus.
Doch die Debatte greift zu kurz, wenn sie nur auf die Eltern schaut.

Wo bleiben eigentlich die Großeltern?


Viele Menschen im Vorruhestand oder Ruhestand verfügen über etwas, das jungen Familien heute oft fehlt: Zeit. Zeit zum Vorlesen. Zeit für Bibliotheksbesuche. Zeit für gemeinsame Entdeckungen zwischen zwei Buchdeckeln.
Oma und Opa können zu Lesementoren werden. Sie müssen keine Pädagogen sein. Es reicht oft schon, regelmäßig eine Geschichte vorzulesen, über Figuren zu sprechen oder den Enkeln zu zeigen, dass Lesen Spaß macht. Kinder orientieren sich an Vorbildern. Wer Erwachsene mit einem Buch in der Hand erlebt, begreift Lesen nicht als lästige Pflicht, sondern als selbstverständlichen Teil des Lebens.

Wir brauchen keinen Elternführerschein


Vielleicht brauchen wir deshalb gar keinen Elternführerschein. Vielleicht brauchen wir vielmehr eine Vorlese-Offensive der Generation 60plus.
Die geburtenstarken Jahrgänge gehen nach und nach in den Ruhestand. Viele suchen nach sinnvollen Aufgaben, möchten sich engagieren und etwas weitergeben. Was wäre wertvoller, als Kindern die Freude am Lesen zu vermitteln?
Ein Buch kostet wenig und bringt viel
Ein Buch kostet wenig. Eine halbe Stunde Vorlesen kostet fast nichts. Der Ertrag dagegen ist enorm.
Wenn jedes vierte Kind Probleme mit dem Lesen hat, dann ist das nicht nur ein Thema für Schulen und Eltern. Es ist eine Aufgabe für die ganze Gesellschaft. Und dazu gehören ausdrücklich auch Großeltern.
Der beste "Führerschein": ein Bibliotheksausweis
Der beste „Führerschein“ für Eltern, Großeltern und alle anderen? Ein regelmäßig genutzter Bibliotheksausweis.
Bild: photodune
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Krankenkassen verzocken Millionen

Krankenkassen verzocken Millionen
220 Millionen Euro versenkt: Gesetzliche Kassen investierten Beiträge in riskante Immobilienfonds. Jetzt drohen Totalverluste und juristische Folgen.
Was als renditestarke Geldanlage verkauft wurde, entwickelt sich zu einem der größten Finanzskandale im deutschen Gesundheitssystem. Recherchen von NDR, WDR, Süddeutscher Zeitung und Handelsblatt zeigen: Mindestens 220 Millionen Euro sind durch riskante Kapitalanlagen von Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen verloren gegangen.

Wie viele Millionen wurden verzockt?


Für Millionen Versicherte ist es ein Schlag ins Gesicht: Mindestens 220 Millionen Euro Beitragsgeld sind weg, möglicherweise sogar bis zu 500 Millionen. Nicht durch höhere Kosten, nicht durch medizinische Notfälle – sondern weil Krankenkassen sich mit einem hochriskanten Immobilienfonds verspekuliert haben. Während wir jeden Monat brav einzahlen, haben manche Kassen unser Geld in riskante Finanzprodukte gesteckt.

Um wie viele Krankenkassen geht es?


Was bedeutet das für einige? Dass die Kassen, die ständig von „Sparzwang“ reden, selbst Millionen verbrannt haben. Zusatzbeiträge steigen, Leistungen werden gekürzt, Wartezeiten verlängern sich. Und gleichzeitig erfahren wir: 28 Krankenkassen und Kassenärztliche Vereinigungen haben in einen Fonds investiert, der mit hochverzinsten Nachrangdarlehen Immobilienentwickler finanzierte.
Geld für Immobilienprojekte
Insgesamt flossen mehr als 500 Millionen Euro aus Beitragsgeldern gesetzlich Versicherter und aus Mitgliedsbeiträgen von Ärzten in komplexe Finanzprodukte mit Immobilienbezug. Die Geldströme führten über luxemburgische Verbriefungsgesellschaften und Fondsstrukturen zu Immobilienfinanzierungen, die auf hohe Renditen durch nachrangige Kredite an Projektentwickler setzten.
Mit dem Ende der Niedrigzinsphase kam der Absturz: Steigende Zinsen, explodierende Baukosten und die Immobilienkrise brachten zahlreiche Projekte ins Wanken. Die Folge: Zahlungsausfälle, Fondsinsolvenzen und drohende Totalverluste.

Wer ist alles betroffen?


Betroffen sind mindestens 28 Institutionen. Namentlich bekannt sind bislang unter anderem KKH, Pronova BKK, Siemens-BKK, BKK Gildemeister Seidensticker, Novitas BKK, MKK, IKK Südwest, Bahn-BKK, BKK Pfalz, Viactiv sowie die AOK Bremen/Bremerhaven. Die tatsächliche Zahl der betroffenen Krankenkassen dürfte jedoch deutlich höher liegen. Bei anderen wird gemutmaßt, dass sie ebenfalls betroffen sein könnten, wie die „Süddeutsche Zeitung“ berichtet, darunter Novitas BKK, MKK - Meine Krankenkasse (ehemals BKK VBU), IKK Südwest, Bahn-BKK, BKK Pfalz und Viactiv Krankenkasse

Es laufen die ersten Klagen


Mehrere Einrichtungen haben bereits Klagen eingereicht oder bereiten diese vor. Sie werfen beteiligten Finanzunternehmen vor, die Risiken der Anlagen bewusst heruntergespielt zu haben. Die Gegenseite weist das zurück und verweist darauf, dass die Möglichkeit eines Totalverlusts ausdrücklich in den Verkaufsunterlagen genannt worden sei.

Wie konnte das geschehen?


Besonders brisant ist die politische Dimension: Nach § 80 SGB IV dürfen Gelder der Sozialversicherung nur so angelegt werden, dass Verluste weitestgehend ausgeschlossen sind und eine hohe Sicherheit bei ausreichender Liquidität gewährleistet ist („risikoarme Anlage“). Kritiker fragen deshalb, wie hochriskante Immobilienfinanzierungen überhaupt mit dem gesetzlichen Auftrag von Krankenkassen und Kassenärztlichen Vereinigungen vereinbar sein konnten.
Auswirkung auf den Zusatzbeitrag
Der Skandal wirft eine grundsätzliche Frage auf: Wer trägt die Verantwortung, wenn mit den Beiträgen von Millionen Versicherten spekuliert wird und am Ende ein dreistelliger Millionenbetrag verloren geht? Die genannten Kassen liegen allesamt über dem Durchschnitt von 2,9 % – einige deutlich. Gerade die Kombination aus steigenden Gesundheitsausgaben und den jüngsten Fehlinvestments mancher Kassen macht diese Zusatzbeiträge politisch brisant.
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Donnerstag, 6. August 2026

Acht Länder revoltieren gegen Rentenreform

Acht Länder revoltieren gegen Rentenreform
Der Widerstand gegen das Aus der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren wächst. Acht Länderchefs stellen sich gegen die Pläne der Rentenkommission.
Die Rentenreform droht an einem ihrer umstrittensten Punkte zu scheitern: der Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren, landläufig immer noch als „Rente mit 63“ bezeichnet. Während Union und Bundesregierung auf die Umsetzung der Empfehlungen der Alterssicherungskommission drängen, formiert sich in den Ländern massiver Widerstand. Inzwischen haben sich acht Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten gegen die Pläne positioniert, wie "Welt" berichtet.
Der Kern ihrer Kritik: Wer 45 Jahre und länger gearbeitet und Beiträge gezahlt hat, dürfe nicht schlechter gestellt werden. Viele Länderchefs verweisen zudem auf die Gefahr steigender Altersarmut und auf die besondere Situation von Beschäftigten mit körperlich belastenden Berufen.

Diese 8 Länder stellen sich gegen das Renten-Aus


1. Niedersachsen
Olaf Lies (SPD)
Argument: Lies fordert eine stärkere Anerkennung von Lebensleistung. Es müsse einen Unterschied machen, ob jemand 45 Jahre oder länger gearbeitet habe. Zudem warnt er vor negativen Folgen für die Alterssicherung langjährig Beschäftigter.
2. Mecklenburg-Vorpommern
Manuela Schwesig (SPD)
Argument: Das Land gehört zu den ersten Kritikern der Reform. Ein zentrales Argument lautet, dass viele Menschen im Alter fast ausschließlich auf die gesetzliche Rente angewiesen sind.
3. Brandenburg
Dietmar Woidke (SPD)
Argument: Brandenburg lehnt die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Beitragsjahren ab und verweist auf die Bedeutung der gesetzlichen Rente für viele langjährig Beschäftigte.
4. Sachsen
Michael Kretschmer (CDU)
Argument: Kretschmer zählt zu den ersten ostdeutschen Regierungschefs, die Widerstand gegen die Pläne angekündigt haben. Im Mittelpunkt steht der Schutz langjährig Versicherter.
5. Sachsen-Anhalt
Sven Schulze (CDU)
Argument: Auch Sachsen-Anhalt stellt sich gegen die Abschaffung. Die Landesregierung verweist auf die besondere Bedeutung der gesetzlichen Rente und die Anerkennung jahrzehntelanger Erwerbsarbeit.
6. Thüringen
Mario Voigt (CDU)
Argument: Thüringen gehört ebenfalls zum Kreis der Kritiker. Die Argumentation: Wer Jahrzehnte gearbeitet hat, darf nicht durch eine Reform bestraft werden.
7. Saarland
Anke Rehlinger (SPD)
Argument: Die saarländische Ministerpräsidentin schloss sich der Kritik an. Gerade in industriell geprägten Regionen gilt die abschlagsfreie Rente nach 45 Versicherungsjahren als Frage der Gerechtigkeit.
8. Bremen
Andreas Bovenschulte (SPD)
Argument: Auch Bremen lehnt die Abschaffung der Regelung ab. Die Hansestadt verweist wie andere SPD-geführte Länder auf soziale Folgen und die Gefahr sinkender Akzeptanz der Rentenreform.

Konfliktlinie verläuft quer durch die Parteien


Bemerkenswert ist, dass die Gegner der Reform aus SPD- wie CDU-geführten Ländern kommen. Die Front verläuft damit nicht entlang klassischer Parteigrenzen, sondern zwischen den Befürwortern einer finanzpolitisch motivierten Reform und jenen, die die Lebensleistung langjährig Versicherter stärker gewichten.
Für die Bundesregierung wird das zum Problem. Denn die Alterssicherungskommission hat die Abschaffung der abschlagsfreien Rente nach 45 Versicherungsjahren als wichtigen Baustein ihres 33-Punkte-Pakets definiert. Fällt dieser Baustein weg, könnte das gesamte Reformkonzept ins Wanken geraten.
Fazit:
Aus drei ostdeutschen Kritikern ist binnen weniger Tage eine Allianz von acht Bundesländern geworden. Der Widerstand gegen das Ende der abschlagsfreien Rente wächst und könnte sich zur entscheidenden Hürde für die größte Rentenreform seit Jahren entwickeln.
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Statt „Nessie“ füllt „Rente“ das Sommerloch

Statt „Nessie“ füllt „Rente“ das Sommerloch
Kaum beginnt die Ferienzeit, beherrscht die „Rente“ die Schlagzeilen. Doch hinter der Debatte steckt mehr als nur ein klassisches Sommerloch, das früher von „Nessie“ gefüllt wurde

Sommerloch? Rente als Dauerthema


Nessie hat ausgedient
In diesem Jahr füllen nicht sensationelle Haifischsichtungen in der Ostsee oder die Suche nach dem Ungeheuer von Loch Ness das sogenannte Sommerloch, sondern die „Rente“. Kaum haben die Ferien begonnen, überschlagen sich Politik, Verbände und Experten mit Vorschlägen, Warnungen und Forderungen rund um das Thema Rente. Die Debatte über die Zukunft der gesetzlichen Rente und die sogenannte „Rente mit 63“ beherrscht derzeit die Nachrichten.

Das übliche Sommertheater?


Auf den ersten Blick wirkt vieles wie das übliche Sommertheater. Politiker positionieren sich, Verbände melden sich zu Wort und Experten rechnen vor, weshalb das bestehende System an seine Grenzen stößt. Doch anders als bei manch anderem Sommerthema geht es diesmal um eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen Deutschlands: Immer mehr Rentnerinnen und Rentner stehen immer weniger Beitragszahlern gegenüber.

Spiegelbild unterschiedlicher Lebensrealitäten


Besonders emotional wird die Debatte um die sogenannte „Rente mit 63“. Während Reformbefürworter auf die finanzielle Belastung des Systems verweisen, betonen Kritiker, dass viele Menschen nach Jahrzehnten körperlicher oder psychischer Belastung einen früheren Ruhestand verdient haben. Die Kontroverse zeigt, wie unterschiedlich die Lebensrealitäten in Deutschland sind.
Schlagzeilen verunsichern
Für Rentnerinnen und Rentner sowie Rentenbeitragszahler sind solche Schlagzeilen oft verunsichernd. Die gute Nachricht lautet jedoch: Zwischen politischen Vorschlägen, Expertenempfehlungen und tatsächlich geltendem Recht liegen meist Monate oder sogar Jahre. Wer seine persönliche Ruhestandsplanung auf eine solide Grundlage stellt, sollte deshalb nicht jede neue Meldung überbewerten, wie die Deutsche Rentenversicherung meint.

Wie finanzieren wir die Rente?


Das Sommerloch mag die Aufmerksamkeit auf das Thema lenken. Die Fragen dahinter bleiben jedoch auch nach den Ferien bestehen: Wie finanzieren wir die Rente der Zukunft? Wer kann wie lange arbeiten? Und wie gelingt ein fairer Übergang in den Ruhestand?
Rente längst kein Randthema mehr
Eines ist sicher: Wenn die Rente das Sommerloch füllt, zeigt das vor allem eines. Die Altersvorsorge ist längst kein Randthema mehr, sondern eine der zentralen Zukunftsfragen unserer Gesellschaft.
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